Warum ausgerechnet Bambus?

Eierlegende Wollmilchsau

  • Selbst im Winter verschönert das robuste Gras leuchtend grün Garten und Balkon.
  • Er steht mit einer Wachstumsgeschwindigkeit von drei Zentimetern pro Stunde im Guinness Buch der Rekorde.
  • Da jahrzehntelang immer wieder Halme nachwachsen, ist er nahezu unsterblich.
    Bambus ist härter als Eiche und Teak und gleichzeitig extrem flexibel.
  • Er ist ungiftig, anpassungsfähig und pflegeleicht.
  • Aus seinen Halmen lässt sich fast alles herstellen. Aus Bambus entstehen zum Beispiel Parkett, Musikinstrumente, Möbel, wiederverwendbare Trinkhalme, Fahrräder, Skateboards und Uhren.

Kurz: Bambus kann helfen, Kunststoff, (Tropen)Holz und Stahl einzusparen. Mehr als genug Gründe also, dem einzigartigen Gras viel Aufmerksamkeit zu schenken.

Bambuswald Bodenansicht

Die Pflanze: Gras mit Superkraft

Bambuspflanzen sind Teil der Familie der Süßgräser, zu der auch viele Getreidesorten wie Weizen, Mais und Reis gehören.

Weltweit gibt es etwa 100 Bambusgattungen und 1600 Bambusarten.

Bambus ist zwischen dem 50 Grad nördlicher Breite im Norden Japans und dem 47 Grad südlicher Breite im chilenischen Süden heimisch. Es gibt ihn in vor allem in Asien, in Süd- und Mittelamerika, in Afrika und Nordaustralien. Er wächst ebenso auf der Höhe des Meeresspiegels wie in 4000 Metern Höhe, in sehr kalten und in tropischen Regionen.

Viele Bambusarten sind frosthart und gedeihen auch gut in unseren Gärten.

Stabiler als Bäume

Bambushalme sind innen hohl und bestehen aus einem Kammersystem, den sogenannten Internodien. Zwischen den Kammern sorgen flache, feste Knoten – die Nodien – für Stabilität. Dadurch diese Leichtbauweise sind die mechanischen Eigenschaften von Bambus vielen Bäumen überlegen.

Anders als Baumstämme wachsen Bambushalme nicht in die Breite. Wenn sie aus dem Boden sprießen, haben sie bereits ihren endgültigen Durchmesser erreicht.

Die Pflanze selbst kann durchaus in die Breite wachsen. Bambus ist für seine Wurzelausläufer, die Rhizome, berüchtigt. Ohne Rhizomsperre kann er sich in den gesamten Garten ausbreiten.

Blüte

Bambus blüht, je nach Sorte, nur alle dreißig bis hundertdreißig Jahre. Nach der Blüte stirbt die Mutterpflanze oft ab, auch dies hängt von der Sorte ab. Durch die Samen sichert er seinen Fortbestand.

Nach etwa einem halben Jahr sind Bambushalme ausgewachsen. Ein Halm wird sieben bis neun Jahre alt, bevor er abstirbt. Die Pflanze lebt munter weiter, da sie ständig neue Halme nachschiebt.

Weltrekordhalter

Der tropische Bambus ist die am weitesten verbreitete Gattung. Zu ihr gehört auch der Riesenbambus, der bis zu 35 Meter hoch werden kann. Er ist der schnellste von allen und wächst am Tag bis zu einem Meter, was einer Geschwindigkeit von vier Stundenzentimetern entspricht. Er steht sogar im Guinness Buch der Rekorde. Seine Halme sind mit bis zu 35 Zentimetern Durchmesser die dicksten in der Bambuswelt.

Bambussprosse
Bambushalm mit Äffchen

Der Rohstoff: Einzigartig vielseitig

In seinen angestammten Gebieten in den Tropen und Subtropen braucht Bambus kaum Wasser und Dünger und er wird quasi nicht gespritzt.

Seine Halme wachsen sehr schnell und haben nach sechs Monaten ihre endgültige Höhe erreicht. Nach fünf bis sieben Jahren sind die Stangen ausgehärtet und können geerntet werden. Zwei, drei Jahre später hätten sie ihr Lebensende erreicht und würden von alleine absterben. Die Bambuspflanze selbst lebt weiter und schiebt immer neue Halme nach.

Zum Vergleich: Europäische Laub- und Nadelbäume brauchen sechzig bis achtzig Jahre, bevor sie gefällt und verwertet werden können.

Cellulose, Lignin & Kieselsäure

Der Bambushalm besteht etwa zu 50 bis 70 Prozent aus Cellulose und zu 25 bis 30 Prozent aus Lignin. Chemisch handelt es sich bei Cellulose um einen Vielfachzucker, der auch bei anderen Pflanzen den Hauptbestandteil der Zellwände ausmacht. Cellulose ist ein wichtiger Rohstoff zur Papier- und Bekleidungsherstellung. Lignin ist der Holzstoff, der bei Bäumen und auch bei Bambus für die harte Verholzung sorgt. Daher wird das Bambusmaterial oft als „Holz“ bezeichnet.

Darüber hinaus enthält Bambus viel Kieselsäure, die ebenfalls für seine Härte verantwortlich ist. Kieselsäure ist eine Verbindung von Silizium und Wasser.

Einzigartige Eigenschaften

Durch seine Inhaltsstoffe und durch die Art, wie diese in einem speziellen Kammersystem angeordnet sind, erhält Bambus seine einzigartigen Eigenschaften. Er ist ähnlich zugfest wie Stahl und so druckfest wie Beton.

Anders als Baumholz enthält Bambus keine Öle und Harze, was seine Weiterverarbeitung deutlich vereinfacht.

Getrocknete Bambushalme

Die Verarbeitung: Rohre, Platten & Faserbambus

Nach fünf bis sechs Jahren können Bambusrohre geerntet werden. Sie werden abgesägt, getrocknet, haltbar gemacht und dann weiterverarbeitet.

Da Bambushalme nicht immer kerzengerade wachsen, werden gekrümmte Stellen nach der Ernte begradigt. Hierzu werden sie erhitzt und gebogen. Sind die Rohre einmal getrocknet, lassen sie sich kaum noch verbiegen.

Da die Oberfläche der Bambushalme dicht und hart ist, ist sie mittelfristig gut haltbar. Um Bambus langfristig haltbar und immun gegen Pilze und Bakterien zu machen, muss er entsprechend behandelt werden. Hier gibt es eine Vielzahl von Methoden: Imprägnieren mit Borsalz, Kochen in Wasserstoffperoxid, Dämpfen in einem Druckbehälter (Autoklav), Wässern oder Räuchern.

Bambusfasern sind der Länge nach parallel angeordnet. Das macht die Halme einerseits sehr flexibel, andererseits können dadurch Längsrisse entstehen. Um Längsrisse zu vermeiden, ist eine sorgfältige Trocknung wichtig.

Aufgrund der Materialhärte und der Längsrissneigung ist in der Regel angeraten, Werkzeuge zur Metallverarbeitung zu verwenden.

Aus Bambusrohren kann bereits eine Vielzahl von Produkten hergestellt werden. Noch deutlich mehr Möglichkeiten bietet die Weiterverarbeitung zu Platten von Span- und Sperrholzplatten über Furnier bis zu Massivplatten.

Faserbambus

Zerfaserte Bambusstreifen werden unter sehr hohem Druck gepresst. Das macht das Material extrem dicht und noch härter, so dass zum Beispiel Bodenbeläge aus Faserbambus sogar in Bad und Küche verlegt werden können. Feuchtigkeit kann nicht eindringen und Quell- und Schwindverhalten sind wesentlich geringer als bei klassischen Holzböden.

Verbundwerkstoffe

Bambus lässt sich gut mit anderen Materialien kombinieren. So kann er zum Beispiel mit Kunststoffen oder Beton gemischt werden. Rund um Bambus-Verbundwerkstoffe wird zurzeit viel Forschungs- und Entwicklungsarbeit betrieben.

Bambusverarbeitung
Bambusblätter

Die Produkte: Essbare Sprossen & Boden fürs Bad

Was Bambus so einzigartig macht, ist seine Vielseitigkeit. Da zur Bambusfamilie viele verschiedene Arten gehören, kann man seine Sprossen ähnlich genießen wie Spargel und aus seinen Fasern natürliche Bodenbeläge herstellen, die so unempfindlich sind, dass sie sich sogar für Bad und Küche eignen.

Bambus kann also in unzähligen Bereichen eingesetzt werden. Was unbehandelter Bambus allerdings nicht schätzt, ist dauerhafter Wasserkontakt wie zum Beispiel bei Seifenschalen. Dann kann sich unter Umständen Schimmel bilden. So lange er die Chance hat, regelmäßig zu trocknen, macht er so ziemlich alles mit. Wird er durch spezielle Verfahren imprägniert, kommt er auch mit Wasserkontakt zurecht.

In unserem Shop kannst Du entdecken, was mit Bambus alles machbar ist. Die Möglichkeiten reichen von Sonnenbrillen und Schneidbrettern über Fahrräder und Skateboards bis zu Betten, Besteck und Büromaterial.

Bambusfahrrad