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Bambus 4.0 – Rohstoff der Zukunft

Vom Geheimtipp zum Trend

Es gibt längst Bahnhöfe, Einkaufszentren und Hotels, die auf Bambus setzen. Das schnell wachsende Riesengras eignet sich als Bodenbelag ebenso wie als Armatur im Luxusauto. Doch Bambus ist nicht gleich Bambus. Eine niederländische Firma hat neue Maßstäbe gesetzt.

Bambus Messerfurnier als Armatur im BMW (Foto: MOSO International B.V.)

Bambus? Das sind doch diese Rohre, die in Asien zu Stühlen und Tischen zusammengebunden werden und die man einzeln im Baumarkt kaufen kann, um Pflanzen abzustützen. Erstaunlich viele Menschen haben immer noch zuerst solche Bilder im Kopf, wenn sie an das langstielige Gras denken. Dabei hat sich in den letzten Jahren eine Entwicklung vollzogen, die Bambus zu dem Rohstoff der Zukunft macht. Das extrem schnell wachsende, klimafreundliche Gras ist in der Lage, Kunststoffe, (Tropen)Holz und andere Materialien zu ersetzen, da es viele nützliche Eigenschaften in sich vereint.

Mit Experimentierfreude gestartet

Diese Entwicklung ist maßgeblich mit einem Namen verbunden: Moso. So wird der Riesenbambus Phyllostachys pubescens, der in China bis zu dreißig Meter Höhe erreicht, landläufig genannt. Und so heißt die niederländische Firma, die vor 21 Jahren begonnen hat, aus dem Gras den vielseitigsten und nachhaltigsten Rohstoff der Welt zu machen und heute auf diesem Gebiet weltmarktführend ist. Begonnen hat alles mit einem einfachen Bambus-Fußboden und ein paar Architekten, die bereit waren, mit einem neuen Werkstoff zu experimentieren. Heute stellt Moso neben Bodenbelägen auch Platten, Furniere, Konstruktionsbalken und Outdoorprodukte aus dem Riesenbambus her und hat Standorte in Spanien, Italien, Südafrika, in den Vereinigten Arabischen Emiraten, den USA und natürlich in China.

Im Hotel Jakarta in Amsterdam ist fast alles aus Bambus: Dielen, Furniere, Platten und Konstruktionsbalken (Foto: MOSO International B.V.)

Die insgesamt 75 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben im Laufe der Jahre zahlreiche große Bauprojekte mit Bambus ausgestattet. Das jüngste Großprojekt ist das Hotel Jakarta in Amsterdam, dessen dreißig Meter hohes Hauptgebäude komplett aus Bambus gefertigt ist. Der Weg vom simplen Fußboden zur Architektur für das 21. Jahrhundert begann 2004, als Moso den Auftrag erhielt, 200.000 Quadratmeter Bambus-Deckenpaneele für den Flughafen in Madrid zu liefern. „Diese Menge war in der erforderlichen Qualität nur mit einer eigenen Produktionsstätte in China machbar“, erzählt Moso-Vertriebsleiter Michael van Houten. So entstand ein niederländisch-chinesisches Joint Venture mit inzwischen 150 Beschäftigten.

Qualität optisch nicht erkennbar

China ist weit weg und dort gelten andere Regeln als in Europa. Jeder kann in China zum Beispiel einen Container Bambusparkett bestellen und hier damit sein Glück versuchen. „Das sieht alles toll aus. Leider ist die Materialqualität optisch meist nicht erkennbar“, erklärt van Houten. Wer nach Sichtprüfung die gekaufte Ware akzeptiert, übernimmt das volle Risiko. 2006 boten chinesische Hersteller erstmals Bambusdielen für den Außenbereich an. Auch in Deutschland wurden diese in großen Mengen importiert, obwohl Moso die Händler gewarnt hatte, dass das mitteleuropäische Wetter den Dielen ein kurzes Leben bescheren würden.

Die Decke des Flughafens Madrid ist mit 200.000 Quadratmetern Bambus-Furnier verkleidet (Foto: MOSO International B.V.)

Es entstand ein Riesenschaden, der dazu führte, dass Händler und Kunden von Bambus lange Zeit nichts mehr wissen wollten. Auch nicht, als Moso einige Zeit später mit einer speziellen Kombination von thermischer Veränderung bei zweihundert Grad und Hochdruckverfahren Terrassendielen entwickelt hatte, die mit Sonne, Regen und Schnee zurechtkommen. Inzwischen ist die Akzeptanz gewachsen und die Bambusterrasse im Düsseldorfer Vabali Spa zeigt beispielhaft, dass Bambus und Wasser sich durchaus gut vertragen können.

Terrassendielen aus Bambus im Vabali Spa in Düsseldorf (Foto: MOSO International B.V.)

Bambus ist ähnlich zugfest wie Stahl und so druckfest wie Beton. Einen hohlen Bambusstamm in Bodenbeläge, Möbel und Wandverkleidungen zu verwandeln, erfordert spezielles Wissen, langjährige Erfahrung und große Sorgfalt. Das Bambusrohr wird zunächst in Lamellen zersägt und dann je nach Verwendungszweck weiterverarbeitet.

25 Jahre Garantie

Michael van Houten: „Es kommt immer auf die Verarbeitung an. Eichenholz gibt es in tausend verschiedenen Qualitäten, das ist bei Bambus genauso.“ Für die Paneele im Madrider Flughafen hat Moso 25 Jahre Garantie gegeben. Dies ist nur machbar, weil die Firma die volle Kontrolle über das Produktionsverfahren hat. In mehreren Bahnhöfen in Frankreich wurden Holz und Fliesen durch Bambus ersetzt. Das französische Bauamt hat das Moso-Material für 200 Millionen Besucher im Jahr zertifiziert.

Auch das Einkaufszentrum im Mailänder CityLife setzt auf Bambus: Böden, Konstruktionsbalken, Platten und Furniere sind aus dem nachhaltigen Riesengras gefertigt (Foto: MOSO International B.V.)

Ein entscheidender Aspekt bei der Qualität ist die Nachhaltigkeit vom Rohstoff über die Verarbeitung bis zum CO2-neutralen Endprodukt. Verschiedene Zertifizierungen der Moso-Produkte sorgen für Transparenz und Sicherheit. Um nur einige Stichworte zu nennen: FSC, DGNB, LEED, BREEAM und Nordic Swan Ecolabel.

Zeitgemäßes Design

Die Verarbeitungsmöglichkeiten von Bambus und seine extreme Strapazierfähigkeit sind heute so gut, dass es keinen vernünftigen Grund mehr gibt, Tropenhölzer zu verwenden. Ästhetik und Design stehen dem in nichts nach. Bambus funktioniert also in großem Stil und unter härtesten Bedingungen. Eine Nummer kleiner geht es natürlich auch.

Bambus sieht auch im Kleinen gut aus – Minima Beleuchtung in Südafrika (Foto: MOSO International B.V.)

Mitteleuropäisches Wetter kann den Bambus-Gartenmöbeln nichts anhaben (Foto: MOSO International B.V.)

Wenn die Verarbeitung stimmt, sind Badmöbel aus Bambus eine schicke Alternative (Foto: MOSO International B.V.)

Qualität hat ihren Preis. Moso-Produkte sind im Schnitt teurer als die der Wettbewerber. Das liegt an der Rohstoffqualität, den hochwertigen Zusatzprodukten wie Leimen, Lacken und Ölen und der durchgehenden Produktionsüberwachung mit eigenem Personal. Wenn Produkte wie Bambusparkett, Terrassendielen und Möbel viele Jahre länger schön und nutzbar bleiben, rechnet sich das. Es spricht sich immer weiter herum, dass Bambus kein Nischenprodukt für Liebhaber asiatischer Tradition ist, sondern alle Voraussetzungen mitbringt, zum Trendmaterial des kommenden Jahrzehnts zu werden. Michael van Houten bringt es auf den Punkt: „Bambus steht unbegrenzt zur Verfügung, er ist klimafreundlich, aus ihm kann man fast alles machen und er hält nahezu alles aus.“ Wenn er gut verarbeitet ist.

Homepage von Moso

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