Hotel Jakarta Amsterdam

Wo die Zukunft am schönsten ist

Ein Hotel aus Bambus? Nicht ausschließlich, aber Bambus spielt eine tragende Rolle. bamboosphere hat das nachhaltigste Hotel Europas besucht und gestaunt, welcher Einfallsreichtum möglich ist, wenn es eine strenge Ausschreibung gibt.

Palmen in der grünen Oase sorgen für gutes Klima (Foto: Hotel Jakarta/Sander Baks)

1949 endete die mehr als dreihundertjährige Kolonialgeschichte Niederländisch-Indiens, das heute Indonesien heißt. Die Verbindung zwischen den Niederlanden und Indonesien ist nach wie vor präsent. Java Eiland ist eine künstliche Insel im Hafengebiet von Amsterdam, benannt nach einer der vier indonesischen Hauptinseln. Java Eiland entstand bereits im 19. Jahrhundert, zunächst genutzt als Wellenbrecher in einer Bucht des IJmeers.

Vergangenheit & Zukunft

Heute ist die 17 Hektar große Insel vor allem ein moderner Wohnstandort im Hafengebiet mitten in der Stadt. Im Sommer 2018 kam ein Gebäude hinzu, das die Verbindung zwischen Asien und Europa, zwischen Vergangenheit und Zukunft in einzigartiger Weise verkörpert und vereint. Das Hotel Jakarta trägt stolz den Namen der indonesischen Hauptstadt, die auf Java liegt, und symbolisiert in seiner gesamten Architektur die historische Verbindung der beiden Länder – bis hin zum vielfältigen Einsatz von Bambus.

Bambus-Treppen (Foto: MOSO/Lior Teitler)

Das 4-Sterne-Hotel steht am Kai an der Spitze von Java Eiland. Dort kamen bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts Einwanderer aus Indonesien nach langer Reise an oder verließen Amsterdam wieder. Es war ihr erster oder letzter Blick auf die Stadt. Und so entspricht auch der Grundriss des Hotels einem spitzen Dreieck. Das gesamte Gebäude ist asiatisch inspiriert, hat eine nach allen Seiten transparente Fassade und keinerlei Mauern. Es ist offen und öffentlich.

Vergangenheit trifft Zukunft: Altes Handelsschiff über der Bar (Foto: Hotel Jakarta/Sander Baks)

Nachhaltige Architektur

Gleichzeitig ist es das nachhaltigste Hotel Europas mit einer BREEAM Excellent Zertifizierung. Die Stadt Amsterdam suchte Ende 2013 für die Entwicklung und Realisierung eines Hotelprojekts an der Spitze von Java Eiland einen Partner. Aufgrund des besonderen Standorts waren die Kriterien extrem anspruchsvoll. Gefordert war nicht nur nachhaltige Architektur, sondern ein Konzept, das Bürger*innen und Gäste der Stadt gleichermaßen anzieht und einlädt. So ist unweit des Amsterdamer Zentrums eine grüne Oase entstanden. Das Herz des Hotels ist ein subtropischer Garten, der im Sommer und im Winter die Temperaturen ausgleicht und zum Verweilen einlädt.

Das Architekturbüro SeARCH bekam den Zuschlag mit seinem Entwurf für die Hotelkette WestCord. Um den Innengarten herum stehen im „Basar“ Bars, Restaurants, Kaffeeecken und Wellnesscenter allen Besucherinnen und Besuchern offen. Einzigartig in den Niederlanden ist die dreißig Meter hohe tragende Holzkonstruktion. Alle Balken, Stützen, Decken und Fensterrahmen sind aus FSC- oder PEFC-zertifiziertem Holz gefertigt. Die Wandverkleidungen bestehen aus Bambus.

Bambus-Handelsschiff im Detail (Foto: MOSO/Lior Teitler)

Mehr als hundert Kubikmeter Bambusmaterial sind im gesamten Hotel Jakarta verbaut. Es kommt als Boden, Treppenstufen, Wandverkleidung, Decken, Möbel, Türen und Fensterrahmen zum Einsatz. Besonders eindrucksvoll ist es, mitten in der Oase zu stehen und nach oben zu schauen. Oder aus der obersten Etage, umgeben von Bambus-Paneelen auf die meterhohen Palmen herunterzublicken. bamboosphere hatte das Glück, eine exklusive Führung durch Peter, der sich selbst gern „Lobbybobby“ nennt, zu bekommen. Peter hat schon viele Architekten und andere Interessierte aus der ganzen Welt durch das Gebäude geführt und zeigt nach wie vor begeistert auf die vielen durchdachten Details. So sind die Bambuselemente der Sitzecken nicht verschraubt, sondern filigran zusammengesteckt und verleimt. Mehr Nachhaltigkeit geht nicht. „Ist das nicht wunderschön?!“, fragt Peter mich immer wieder. Ja, ist es in der Tat. Deswegen war ich dort. Ich wollte nicht nur Fotos sehen, sondern live erleben, was moderne, nachhaltige Architektur mit Bambus heute schaffen kann.

Bambus-Bäckerei (Foto: MOSO/Lior Teitler)

Bis ins Detail durchdacht

Das Material hat MOSO International B.V. geliefert, insgesamt fünf große Seecontainer Bambus. An manchen Stellen waren erprobte Lösungen rund um den Hightech-Bambus möglich, an anderen Stellen hat MOSO gemeinsam mit den Architekten maßgeschneiderte Antworten entwickelt. Ein besonderer Hingucker ist die Skulptur, die über der Bar zu schweben scheint. Die Leisten und Verstrebungen wurden kunstvoll aus Bambusplatten geschnitten und zeichnen die Umrisse eines alten Handelsschiffes nach.

Zimmertür aus Bambus (Foto: MOSO/Lior Teitler)

Um die anspruchsvolle BREEAM-Zertifizierung Excellent zu erreichen, ist das Hotel-Konzept bis ins kleinste Detail nachhaltig geplant und umgesetzt. Es gibt keine Klimaanlage, dafür Erdwärme, Sonnenkollektoren und Regenwasserzisternen. Sogar die Berufskleidung der Hotelangestellten ist Teil des Konzepts. Die verarbeiteten Bambusmaterialien haben eine negative CO2-Bilanz und strahlen in kontrastierender Harmonie mit dem nackten, polierten Beton und den Glasfassaden eine einzigartige Schönheit aus. Darüber hinaus erfüllt der Bambus besonders hohe Qualitätsanforderungen in Sachen Widerstandsfähigkeit. Die Bodenbeläge sind beispielsweise extrem hart und schwer entflammbar.

Junior-Suite aus Bambus (Foto: Hotel Jakarta/Sander Baks)
Konferenzraum mit Deckenkunst (Foto: Hotel Jakarta/Sander Baks)

Alle zweihundert Zimmer bieten einen Blick auf den Fluss IJ. 176 davon sind als 30-Quadratmeter-Luxus-Fertigbau-Container errichtet worden, die auf- und nebeneinander installiert wurden. Die meisten Teile bestehen aus FSC- oder PEFC-zertifizierten Hölzern wie Weißtanne. Die vier Suiten in der Spitze des Gebäudes wurden individuell und vor allem mit Bambus gebaut und eingerichtet.

Preiswürdig

Drei Architekturpreise hat das Gebäude inzwischen gewonnen: Publiek Gebouw van het Jaar, Architectenweb Award 2018, Architecture Masterprize – Green Architecture und den WAF Award Best Hotel of the year.

Im Hotel Jakarta kann man sich amüsieren oder tagen. Oder beides. Ein 245 Quadratmeter großer, aufteilbarer Konferenzraum bietet genug Platz für viele intensive Meetings. Peter macht mich auf das Kunstwerk unter der Decke aufmerksam: „Die Wände sind schlicht, damit niemand abgelenkt wird. Dafür sieht man hier den Umriss von Indonesien.“ Verschieden große Leuchten symbolisieren auf schwarzem Grund die indonesischen Städte. Jakarta leuchtet am hellsten.

Sliderfoto: Hotel Jakarta/Sander Baks

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