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We Do Wood

We Do Wood

Bambusmöbel im skandinavischen Design

Die dänische Firma We Do Wood ist von Holz komplett auf Bambus umgestiegen. Der Stil ist skandinavisch-modern, die Philosophie nachhaltig. Ikea war gestern.

Eine schicke schwarze Garderobe, ein schlichter schöner Tisch, moderne Regalwürfel. Das soll Bambus sein? Wenn etwas sinnvoll und nachhaltig ist, kann es nicht auch noch schmecken oder gut aussehen. Manche werden sich noch an den grässlichen ersten Fair Trade-Kaffee Ende der achtziger Jahre erinnern. Viele denken bei Bambus an asiatische Billigprodukte und traditionelles Design. „Gerade in Deutschland gibt es da oft noch eine Vorstellung wie in den siebziger und achtziger Jahren. Bambus hat eher ein schlechtes Image“, stellt Klaus Jorlet immer wieder fest. Dabei haben sich nicht nur die fair gehandelten Kaffees in den letzten Jahren entwickelt, sondern auch die Möglichkeiten, die der Werkstoff Bambus bietet.

Klaus Jorlet hat einen deutsch klingenden Vornamen und spricht fließend Deutsch, da er einige Jahre in Deutschland gelebt und gearbeitet hat. Er ist aber Däne, Teilhaber und Verkaufsleiter bei „We Do Wood“, einem Möbelhersteller aus Dänemark. Dem einzigen Möbelhersteller in Europa, der ausschließlich mit Bambus arbeitet. Der Name We Do Wood (WDW) ist dabei kein um die Ecke gedachter Marketingtrick, sondern rührt daher, dass die Firma 2006 als Hersteller für hochwertige Küchen und Möbel aus Eiche und anderen Baumhölzern gestartet war.

einzigartig in Europa

Einige Jahre später gab es 16 Beschäftigte, viele Ambitionen und zu wenig Umsatz, so dass ein Umbau der Firma nötig wurde. Ein Investmentfonds und Anders Holme Jensen als CEO stiegen ein. Auf der Suche nach einem zukunftsfähigen Geschäftsmodell und einem nachhaltigen Alleinstellungsmerkmal landete die Firma beim Werkstoff Bambus. WDW hat konsequent auf Bambus umgestellt und sorgt über alle Produktionsschritte hinweg für eine positive Ökobilanz. Bambus erfüllt in Bezug auf Verarbeitung und Nutzung dieselben Normen wie Baumholz. Er lässt sich ähnlich verarbeiten wie Eiche, nur dass er bereits nach vier Jahren geerntet werden kann und schnell nachwächst, während eine Eiche mehr als hundert Jahre bis zur Erntereife braucht und nach dem Fällen einen toten Stumpf hinterlässt.

Klaus Jorlet, Anders Holme Jensen und Sebastian Jørgensen sind das Team hinter We Do Wood

Heute gibt es bei WDW drei Teilhaber und vier Teilzeitkräfte. Neben Klaus und Anders ist Sebastian Jørgensen als Designer mit an Bord. Die kleine Firma hat ihren Sitz in Roskilde auf der Ostseeinsel Seeland, dreißig Kilometer westlich von Kopenhagen. Produziert werden die Bambusmöbel im angesagten gradlinigen nordischen Design in einem Familienbetrieb, der auf dem Land in der Nähe von Aarhus liegt. 2012 brachte WDW den ersten Bambusstuhl auf den Markt. Inzwischen hat die Schreinerei drei neue Mitarbeiter eingestellt, da sich die Auftragslage von WDW gut entwickelt hat.

Moso-Bambus aus Südchina

WDW nutzt für seine Möbel Moso-Bambus, der in Südchina angebaut und zu 5-mm-Platten verarbeitet wird, die sich am besten für den skandinavischen Stil eignen. „Wenn wir dickere Platten brauchen, werden sie im Sandwichverfahren verleimt, ähnlich wie hochwertige Parkettböden“, erklärt Klaus Jorlet. Zu Beginn hat der Möbelproduzent seinen Bambus über den Weltmarktführer MOSO International, der seinen Hauptsitz im niederländischen Zwaag hat, bezogen. Inzwischen arbeitet WDW mit einem spezialisierten Lieferanten aus Deutschland zusammen, der in China eine Bambusplantage betreibt und die ersten Verarbeitungsschritte bis zur Platte übernimmt. „Bei jeder Ernte wird neuer Bambus gepflanzt und wir achten bei jedem Arbeitsschritt darauf, dass er zu unserer Philosophie passt“, erzählt Klaus. Der Bambus ist FSC-zertifiziert und die Möbel sind über die gesamte Produktionskette CO2-neutral.

MOSO International hat uns am Anfang sehr unterstützt bei den Berechnungen, die dafür erforderlich sind.“ So kann WDW schwarz auf weiß nachweisen, dass die Klimabilanz auch unter Einbeziehung des Transports von China nach Dänemark positiv ist. In Italien und Frankreich gibt es zurzeit erste Projekte und Versuche, den Riesenbambus in Europa anzubauen. Den Rohstoff näher vor der eigenen Haustür zu haben, wäre natürlich begrüßenswert, wird aber wohl noch einige Jahre dauern.

Design im Mittelpunkt

WDW verwendet weder Pestizide noch Lacke und liegt bei den Formaldeyhd-Mengen weit entfernt von allen in Europa zulässigen Grenzwerten. Wer Zuhause mehr Bambus nutzt und dafür weniger Holz und Plastik, lebt auf jeden Fall gesünder und mit weniger Schadstoffen. Natürlich vorausgesetzt, dass der Bambus entsprechend verarbeitet wurde.

Die meisten Kunden kaufen unsere Möbel allerdings nicht aus gesundheitlichen Gründen oder wegen der Nachhaltigkeit, sondern aufgrund des Designs“, stellt Verkaufsleiter Klaus fest. „In Dänemark gelten wir als junge dynamische Firma und profitieren auch von der Beliebtheit anderer dänischer Designermöbel.“ Die Menschen in Deutschland für Bambusmöbel zu begeistern ist nicht ganz einfach, Bambus gilt (noch) nicht als schick. Um das Bild ein wenig zu verändern, hat WDW schwarzbraune Möbelstücke in seine neue Kollektion aufgenommen. Sie sind komplett aus Bambus, aber man sieht es ihnen nicht an.

Wärme sorgt für die dunkle Farbe

Die dunkle Farbe entsteht durch Karbonisierung, sprich: Verkohlung. Durch Hitze wird die Chemie im Bambus verändert. Bambus enthält, wie Holz auch, Zellulose – also Zucker. Dieser Zucker verschwindet bei ca. 200 Grad, wodurch das Material eine größere Dichte bekommt. Es wird schwerer, stabiler, resistenter gegen äußere Einflüsse und es wechselt seine Farbe. Je höher die Temperatur, desto dunkler wird der Bambus. Moso-Bambus enthält sehr viel Zellulose und lässt sich durch Wärmezufuhr besonders deutlich verändern.

Bambus kommt. Auch nach Deutschland. „Hier ist noch viel Überzeugungsarbeit nötig, aber auch heute schon ist Deutschland unser derzeit umsatzstärkster Markt“, sagt der Verkaufsleiter. Neu dazugekommen sind die Märkte in den USA und in Australien. We Do Wood steht für eine zukunftsorientierte Philosophie, die bewusst keine Wegwerfmöbel zu Discountpreisen produziert. „Im Gegenteil. Wir freuen uns immer, wenn wir sehen, dass unsere Produkte als hochwertige Second Hand-Möbel irgendwann weiterverkauft werden“, so Klaus Jorlet. Wobei sich die Preise – im Vergleich zu anderen Designermöbeln – eher im unteren Bereich bewegen. Um die 200 Euro für ein Regal oder eine Garderobe, ist für ein besonderes Möbelstück aus einem besonderen Rohstoff mehr als fair, findet bamboosphere. WDW ist ein echter Vorreiter, der beweist, dass modernes Design und Bambus gute Freunde sein können. So sieht die Zukunft aus.

Homepage von We Do Wood

Einige der schönen Möbel von We Do Wood gibt’s auch bei bamboosphere und zwar hier.

(alle Fotos: We Do Wood)

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